Das Wichtigste in Kürze
- Ein Investment Banker berät Unternehmen, Finanzinvestoren und öffentliche Emittenten bei Übernahmen, Fusionen und der Beschaffung von Kapital über Börse und Anleihemarkt.
- Typische Aufgaben: Transaktionen strukturieren und begleiten, Unternehmen bewerten und Finanzmodelle bauen, Pitches und Präsentationen erstellen, Börsengänge und Anleihen platzieren, Konsortial- und Akquisitionsfinanzierungen arrangieren.
- Voraussetzungen: Einen geregelten Ausbildungsberuf gibt es nicht. Üblich sind ein wirtschaftswissenschaftliches Studium, oft mit Master, einschlägige Praktika, verhandlungssicheres Englisch und sehr gute Excel- und Bewertungskenntnisse.
- Der Einstieg führt über Praktika, Graduate Programme oder Trainee-Stellen zum Analyst, danach folgen Associate, Vice President, Director und Managing Director.
- Gehalt: Das Medianentgelt der zugehörigen Berufsgattung lag 2025 bundesweit bei 7.154 € brutto im Monat. Die Investment Bank der Deutschen Bank kam 2025 rechnerisch auf rund 327.000 € Gesamtvergütung je Vollzeitkraft, und 139 Investmentbanker deutscher Banken verdienten 2024 mehr als 1 Mio. € im Jahr.
- Deutsche Universalbanken bündeln das Geschäft im Corporate & Investment Banking, Schwerpunkt der Stellen ist Frankfurt, daneben Hamburg, München und Düsseldorf.
Was ist ein Investment Banker?
Ein Investment Banker arbeitet im Investment Banking, dem Geschäftsfeld einer Bank, das Unternehmen, Finanzinvestoren und öffentliche Emittenten, also Staaten und Institutionen, die Wertpapiere ausgeben, bei großen Kapitalentscheidungen berät und begleitet. Im Kern geht es um zwei Dinge: den Kauf und Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen, im Fachjargon Mergers & Acquisitions, kurz M&A, und die Beschaffung von Kapital über den Kapitalmarkt, sei es Eigenkapital über Börsengänge und Kapitalerhöhungen oder Fremdkapital über Anleihen, Schuldscheindarlehen, eine deutsche Sonderform des Großkredits, die an Investoren weitergereicht wird, und Konsortialkredite, die mehrere Banken gemeinsam vergeben. Anders als der Privatkundenberater in der Filiale hat der Investment Banker keine laufende Kundenbeziehung im klassischen Sinn, sondern arbeitet projektbezogen an einzelnen Transaktionen, die Monate dauern und im Erfolgsfall mit einer Provision der Bank enden.
Der Begriff ist weit gefasst und in Deutschland kein geschützter Titel. Die amtliche Klassifikation der Berufe führt den Investment Banker in einer Berufsgattung mit Wertpapierhändlern und Allfinanzberatern, ein eigenes Berufsprofil der Arbeitsagentur gibt es nicht. In den Stellenanzeigen der Banken taucht der Beruf deshalb selten unter diesem Namen auf, sondern als Analyst oder Associate im Bereich Corporate Finance, Investment Banking Coverage, Equity Capital Markets, Debt Capital Markets oder Leveraged Finance. Deutsche Universalbanken bündeln diese Einheiten üblicherweise unter dem Dach Corporate & Investment Banking, in dem Firmenkundengeschäft und Kapitalmarktgeschäft zusammenarbeiten. Nicht gemeint sind der Wertpapierhandel auf eigene Rechnung und das Asset Management, die zwar kapitalmarktnah sind, aber anderen Logiken folgen.
Welche Aufgaben hat ein Investment Banker?
Die Arbeit folgt dem Lebenszyklus einer Transaktion: Am Anfang steht die Akquisition eines Mandats, also des Auftrags eines Unternehmens an die Bank, am Ende der Vollzug, im Fachjargon Closing, dazwischen Analyse, Bewertung, Dokumentation und Verhandlung. In den Ausschreibungen der Banken kehren fünf Aufgabenfelder immer wieder, allen voran die Finanzmodellierung und die Erstellung von Präsentationen, die in den meisten Anzeigen ausdrücklich genannt werden:
Transaktionen strukturieren und begleiten
Bei einer Übernahme oder einem Verkauf ist der Investment Banker der Prozessmanager des Mandanten. Er erstellt die Verkaufsunterlagen, identifiziert und spricht mögliche Käufer an, koordiniert die Prüfung des Unternehmens durch die Interessenten, die sogenannte Due Diligence, und begleitet die Verhandlungen bis zur Vertragsunterzeichnung. Auf der Käuferseite läuft es spiegelbildlich, dann sucht er Zielunternehmen, formuliert Angebote und begründet den Kaufpreis. Der Zeitplan solcher Projekte ist eng, die Vertraulichkeit hoch, und mehrere Mandate laufen häufig parallel.
Unternehmen bewerten und Finanzmodelle bauen
Jede Transaktion braucht einen Preis, und der entsteht im Finanzmodell. Der Investment Banker baut in Excel integrierte Modelle aus Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz und Cashflow, bewertet das Unternehmen nach mehreren Methoden, etwa über abgezinste Zahlungsströme oder den Vergleich mit börsennotierten Wettbewerbern und früheren Transaktionen, und rechnet Szenarien durch. Diese Modellierung ist der Kern der Analystenarbeit und in den Ausschreibungen die am häufigsten verlangte Fähigkeit. Fehler im Modell sind teuer, deshalb wird jede Zahl mehrfach geprüft.
Pitches und Präsentationen erstellen
Mandate werden gewonnen, nicht zugeteilt. Bevor ein Unternehmen eine Bank beauftragt, präsentieren mehrere Häuser ihre Ideen und Konditionen, das ist der Pitch. Der Investment Banker bereitet diese Unterlagen vor, und sie enthalten eine Marktanalyse, eine erste Bewertungsindikation, eine Liste möglicher Käufer oder Investoren und Vorschläge zur Struktur der Transaktion. Auch während einer Transaktion entstehen laufend Präsentationen für Vorstände, Aufsichtsräte und Investoren. Sicherheit in PowerPoint und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf wenigen Seiten zu verdichten, gehören daher zum Handwerkszeug.
Börsengänge und Anleihen platzieren
Im Kapitalmarktgeschäft hilft der Investment Banker Unternehmen, sich Geld bei Investoren zu beschaffen. Im Bereich Equity Capital Markets sind das Börsengänge und Kapitalerhöhungen, im Bereich Debt Capital Markets Anleihen und Schuldscheindarlehen. Die Bank prüft den Emittenten, entwirft die Struktur der Emission, stimmt den Wertpapierprospekt mit Anwälten und Wirtschaftsprüfern ab, wirbt bei institutionellen Investoren wie Fonds, Versicherern und Pensionskassen um Nachfrage und legt am Ende den Preis fest. Häufig schließen sich mehrere Banken zu einem Konsortium zusammen, das die Platzierung gemeinsam trägt.
Akquisitions- und Konsortialfinanzierungen arrangieren
Wer ein Unternehmen kauft, finanziert den Kaufpreis selten allein aus Eigenmitteln. Im Bereich Leveraged und Acquisition Finance strukturiert der Investment Banker die Fremdfinanzierung, verhandelt Kreditbedingungen und Sicherheiten und verteilt das Risiko auf mehrere Banken. Ähnlich funktioniert das Konsortialgeschäft für große Investitionskredite, das auch Landesbanken und große Sparkassen betreiben. Hier verbinden sich Kreditanalyse und Kapitalmarktdenken, weshalb diese Stellen häufig auch für Bewerber aus dem Firmenkundengeschäft offenstehen.
Wie diese Felder gewichtet sind, hängt vom Haus ab. Großbanken trennen die Bereiche in eigene Teams mit Spezialisten für einzelne Branchen, das Coverage-Modell. Kleinere Häuser und die Corporate-Finance-Einheiten der Verbünde arbeiten generalistischer, dort begleitet dasselbe Team ein Mandat von der Bewertung bis zur Finanzierung.
Wie wird man Investment Banker?
Einen Ausbildungsberuf oder eine staatliche Prüfung gibt es für diesen Weg nicht, und auch die Arbeitsagentur führt kein eigenes Berufsprofil. Der Zugang ist dennoch klar strukturiert, weil die Banken ihn selbst standardisiert haben. Ausgangspunkt ist fast immer ein Hochschulstudium: Nahezu jede Ausschreibung verlangt ein abgeschlossenes Studium, üblicherweise der Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, des Finance oder des Wirtschaftsingenieurwesens, häufig mit Master. Ebenso wichtig ist der zweite Baustein, das Praktikum. Die DZ BANK etwa empfiehlt für ihr Studentenpraktikum rund drei Monate in Vollzeit ab dem dritten Fachsemester und vergütet es im Bachelor mit 1.000 € im Monat, im Master mit dem Mindestlohn. Privatbanken wie Berenberg schreiben ihre Praktika im Equity Capital Markets bereits für Quartale des Folgejahres aus. Wer sich um eine feste Stelle bewirbt, sollte in aller Regel mehrere solcher Stationen vorweisen können, denn viele Ausschreibungen nennen einschlägige Praktika ausdrücklich als Voraussetzung.
Der eigentliche Einstieg läuft dann über drei Wege:
- Graduate Programme der Großbanken: Das Programm der Deutschen Bank dauert ein Jahr, beginnt im Juli und steht Absolventen offen, die höchstens zwölf Monate einschlägige Berufserfahrung mitbringen. Es kombiniert vorgeschaltetes E-Learning, eine Orientierungsphase und bereichsspezifisches Training mit der Arbeit im Team, und mündet in die Analyst-Stelle.
- Trainee-Programm oder Direkteinstieg als Analyst: Verbund- und Landesbanken rekrutieren häufig direkt. Die Corporate-Finance-Einheit der DZ BANK etwa sucht Praktikanten, Trainees und Analysten gleichermaßen und nimmt ihre Berufseinsteiger nach eigener Darstellung vom ersten Tag an in Kundengespräche mit.
- Wechsel aus einem Nachbarfeld: Wer aus dem Firmenkundengeschäft, der Wirtschaftsprüfung oder der Unternehmensberatung kommt, findet vor allem in den Finanzierungs- und Konsortialteams einen Zugang, weil dort Kreditanalyse und Kapitalmarktwissen zusammenkommen.
Von da an ist die Karriereleiter über alle Häuser hinweg nahezu identisch, die Stufen finden sich wörtlich in den Stellentiteln: Analyst, Associate, Vice President, Director und Managing Director. Jede Stufe steht für mehr Verantwortung im Mandat, vom Modellbauer über den Projektleiter bis zum Kundenverantwortlichen, der Mandate akquiriert. Zusätzliche Zertifikate wie der Chartered Financial Analyst sind gern gesehen, aber keine Bedingung. Was in jeder Ausschreibung steht, ist Englisch: Verträge, Modelle und Investorengespräche laufen im Investment Banking überwiegend auf Englisch, und Auslandsstandorte wie Mailand gehören bei einzelnen Häusern zum Einsatzgebiet.
Welche Soft Skills brauchen Investment Banker?
Soft Skills sind die überfachlichen Fähigkeiten, die neben Bewertungstechnik und Kapitalmarktwissen darüber entscheiden, ob jemand in diesem Umfeld besteht. Gefragt sind vor allem:
- Belastbarkeit und Ausdauer bei langen Arbeitstagen und engen Fristen
- Präzision bis in die letzte Zelle des Modells
- Kommunikationsstärke gegenüber Vorständen, Investoren und Anwälten, auf Deutsch und Englisch
- Teamarbeit in kleinen Deal-Teams über Hierarchiestufen hinweg
- Verschwiegenheit, denn jede Transaktion ist bis zur Bekanntgabe streng vertraulich
- Unternehmerisches Denken, um die Logik des Mandanten zu verstehen
Die vier wichtigsten im Detail:
Belastbarkeit
Transaktionen haben Fristen, die der Markt setzt, nicht der Kalender der Bank. Vor einer Angebotsabgabe oder einem Börsengang verdichtet sich die Arbeit, die Tage werden lang, und vor allem Analysten und Associates stellen dann Modelle und Unterlagen bis spät in die Nacht fertig. Wer das nicht nur aushält, sondern dabei sauber arbeitet, hat den wichtigsten Test dieses Berufs bestanden. Manche Banken sprechen das in ihren Anzeigen offen an und suchen ausdrücklich nach Bewerbern, die unter Druck zuverlässig bleiben.
Präzision
Ein Vorzeichenfehler im Modell kann einen Kaufpreis um Millionen verschieben, ein Tippfehler im Prospekt haftungsrelevant werden. Investment Banker arbeiten deshalb mit einer Gründlichkeit, die Außenstehenden übertrieben vorkommt: Jede Zahl hat eine Quelle, jede Formel wird nachvollzogen, jede Seite gegengelesen. Diese Sorgfalt ist keine Charakterfrage, sondern Berufsvoraussetzung, und sie wird vom ersten Praktikum an trainiert.
Kommunikationsstärke
Das beste Modell nützt nichts, wenn der Vorstand des Mandanten die Schlussfolgerung nicht versteht. Investment Banker übersetzen komplexe Bewertungen in klare Empfehlungen, moderieren zwischen Verkäufer, Käufer, Anwälten und Prüfern und halten Investoren bei der Stange. Weil die Gegenseite häufig international besetzt ist, gilt das in zwei Sprachen. Mit steigender Hierarchiestufe wird die Kommunikation wichtiger als die Technik: Vom Vice President an gewinnt man Mandate mit dem Wort, nicht mit der Tabelle.
Teamarbeit unter Zeitdruck
Ein Deal-Team ist klein und bildet die Karriereleiter im Kleinen ab: Ein Director oder Managing Director hält die Kundenbeziehung, Vice President und Associate steuern das Projekt, die Analysten bauen Modell und Unterlagen, und alle arbeiten über Wochen eng zusammen. Aufgaben werden schnell verteilt, Ergebnisse direkt kommentiert, und wer eine Frist reißt, blockiert das ganze Team. Gefragt ist deshalb eine Mischung aus Eigenständigkeit und Zuverlässigkeit: die eigene Arbeit ohne Anleitung vorantreiben und trotzdem jederzeit ansprechbar bleiben. Viele Häuser pflegen diesen Zusammenhalt bewusst, etwa mit mehrtägigen Team-Treffen außerhalb des Büros.
Bei welchen Arbeitgebern arbeiten Investment Banker?
Investment Banking ist in Deutschland ein Geschäft weniger Adressen, und die Arbeitgeber unterscheiden sich deutlich in Größe, Kundenkreis und Arbeitsweise. An der Spitze stehen die Großbanken mit eigenen Investment-Bank-Sparten, allen voran die Deutsche Bank, deren Corporate Finance und Investment Banking Coverage in den Ausschreibungen den größten Anteil stellen, sowie die UniCredit und die Commerzbank. Hier sind die Teams nach Branchen und Produkten spezialisiert, die Transaktionen groß und international, und die Hierarchie folgt dem angelsächsischen Muster vom Analyst bis zum Managing Director.
Die zweite Gruppe sind die Zentralinstitute und Landesbanken. Die DZ BANK betreibt als Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken eine eigene Corporate-Finance-Einheit mit 28 Beratern an vier Standorten in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart, die sich auf Fusionen und Übernahmen im inhabergeführten Mittelstand mit Transaktionsvolumen bis zu 250 Millionen € konzentriert und seit 2005 mehr als 235 Transaktionen begleitet hat. Landesbanken wie die LBBW, die BayernLB und die Helaba sind im Kapitalmarktgeschäft, im Schuldschein und in der Konsortialfinanzierung aktiv. Dritte Gruppe sind die Privatbanken, etwa Berenberg oder Donner & Reuschel, mit schlanken Teams und Schwerpunkten im Aktienkapitalmarkt und in der Mittelstandsberatung. Hinzu kommen Spezialinstitute wie Pfandbrief- und Immobilienbanken für strukturierte Finanzierungen, Auslandsbanken mit deutschen Niederlassungen und große Sparkassen, die Konsortialgeschäft für ihre Firmenkunden betreiben. Geografisch konzentriert sich das Feld auf Frankfurt, gefolgt von Hamburg, München und Düsseldorf.
Aktuelle Stellen für Investment Banker
Ausgeschrieben werden die Stellen in allen Stufen der Karriereleiter, vom Praktikum und Werkstudentenjob über Analyst und Associate bis zum Managing Director, und häufig mit Vorlauf von mehreren Quartalen. Alle Stellen dieses Felds bündelt bei uns der Bereich Investment Banking Jobs, den Standort-Schwerpunkt zeigt der Bereich Bank Jobs Frankfurt, und die Einstiegsstationen sammelt der Bereich Praktikum Bank:
Offene Stellen im Investment Banking
Aktuell 23 offene Stellen im Investment Banking und Corporate Finance bei Banken in Deutschland.
Wie hoch ist das Gehalt eines Investment Bankers?
Kaum ein Beruf ist so stark mit Gehaltsgerüchten verbunden wie dieser, und nur wenige davon halten einer Prüfung stand. Die verlässlichste Quelle ist der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, der auf der amtlichen Beschäftigungsstatistik beruht. Er führt den Investment Banker in der Berufsgattung der Finanzdienstleistungsberufe mit komplexen Spezialistentätigkeiten, gemeinsam mit Wertpapierhändlern und Allfinanzberatern. Die Werte bilden also das Umfeld des Berufs ab, nicht ausschließlich ihn selbst. Für das Jahr 2025 wies die Statistik bundesweit ein Medianentgelt von 7.154 € brutto im Monat aus:
| Auswertung (Vollzeit, 2025) | Median | unteres Viertel bis | oberes Viertel ab |
|---|---|---|---|
| Deutschland gesamt | 7.154 € | 5.490 € | nicht ausgewiesen |
| Finanz- und Versicherungsgewerbe | 6.988 € | 5.520 € | nicht ausgewiesen |
| 25 bis unter 55 Jahre | 7.126 € | 5.525 € | nicht ausgewiesen |
| ab 55 Jahre | 7.674 € | 5.982 € | nicht ausgewiesen |
Monatliche Brutto-Medianentgelte sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigter der Berufsgattung 72123 (Anlageberater und sonstige Finanzdienstleistungsberufe, komplexe Spezialistentätigkeiten), Beschäftigungsstatistik 2025. Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen im September 2026.
Auffällig ist, dass in keiner Zeile das obere Viertel beziffert wird: Es liegt jeweils über der Beitragsbemessungsgrenze von 8.050 € im Monat, also der Gehaltsgrenze, bis zu der die Sozialversicherung Beiträge erhebt, und oberhalb dieser Grenze erfasst die Statistik keine Beträge mehr. Die Spanne nach oben ist mit dieser Quelle schlicht nicht messbar. Ebenso auffällig ist, dass der Median im Finanzgewerbe leicht unter dem Gesamtwert liegt, weil die Gattung dort auch Händler und Berater mit geringerer Vergütung umfasst, während Spezialisten in Industrie und Beratung den Durchschnitt heben. Zur Einordnung hilft der Tarif: Die höchste Tarifgruppe des privaten Bankgewerbes endet seit Juli 2026 bei 5.908 € im Monat, bei den öffentlichen Banken bei 5.808 €. Schon der Median der Gattung liegt darüber, die Stellen im Investment Banking sind also in aller Regel außertariflich vergütet, mit frei verhandeltem Grundgehalt. Was Tarif und außertariflicher Bereich in der Kreditwirtschaft bedeuten, erklärt unser Artikel zum Tarifvertrag der Banken.
Was die Deutsche Bank ihrer Investment Bank zahlt
Konkreter wird es mit einer Quelle, die kaum jemand liest: dem Vergütungsbericht, den Banken jedes Jahr nach den Offenlegungsregeln der Bankenaufsicht veröffentlichen müssen. Die Deutsche Bank weist darin die Vergütung je Geschäftsbereich aus, und der Vergleich zeigt, wie weit die Investment Bank vom Rest des Hauses entfernt ist. Wir haben die ausgewiesenen Summen durch die Zahl der Vollzeitkräfte geteilt:
| Geschäftsbereich (2025) | Vollzeitkräfte | Gesamtvergütung | davon variabel | rechnerisch je Vollzeitkraft |
|---|---|---|---|---|
| Investment Bank | 8.188 | 2.677 Mio. € | 1.274 Mio. € | rund 327.000 € |
| Privatkundenbank | 23.337 | 2.459 Mio. € | 551 Mio. € | rund 105.000 € |
| Unternehmensbank | 16.601 | 1.438 Mio. € | 309 Mio. € | rund 87.000 € |
| Konzern gesamt | 89.879 | 11.136 Mio. € | 3.072 Mio. € | rund 124.000 € |
Gesamtvergütung 2025 nach Geschäftsbereich (fixe und variable Vergütung nach Institutsvergütungsverordnung, inklusive Abfindungen), Vollzeitkräfte zum 31.12.2025, weltweit. Quelle: Vergütungsbericht 2025 der Deutschen Bank (PDF-Seite 51); Werte je Vollzeitkraft sind unsere Division der Jahressummen durch den Personalstand zum Jahresende und deshalb gerundete Näherungswerte.
Deutsche Bank 2025: rechnerische Vergütung je Vollzeitkraft vom Grundgehalt bis zur Gesamtvergütung
Investment Bank 162.921–326.941 €
Konzern gesamt 84.558–123.900 €
Privatkundenbank 78.244–105.370 €
Unternehmensbank 63.791–86.621 €
Angaben in € im Jahr, gerundeter Durchschnitt je Vollzeitkraft
Die Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen: Sie mitteln über alle Beschäftigten des Bereichs, von der Assistenz bis zum Managing Director, über alle Standorte von Frankfurt bis New York, und sie enthalten Abfindungen und die Vergütung von Mitarbeitern, die das Haus im Jahresverlauf verlassen haben. Ein Analyst im ersten Jahr verdient weniger als dieser Durchschnitt, in den auch die Spitzenverdiener des Bereichs eingehen. Die Größenordnung ist dennoch eindeutig: Die Investment Bank kommt rechnerisch auf gut das Dreifache der Privatkundenbank, und fast die Hälfte ihrer Vergütung ist variabel. Diese variablen Anteile zahlt die Bank zudem nicht auf einmal aus: Für Risikoträger, also die Beschäftigten, deren Entscheidungen das Risiko der Bank wesentlich beeinflussen und für die die Aufsicht besondere Vergütungsregeln vorschreibt, waren 2025 rund 89 % davon auf mehrere Jahre gestreckt.
Wie viele Investment Banker verdienen über eine Million?
Die Spitze der Gehaltspyramide ist ebenfalls amtlich dokumentiert: Die europäische Bankenaufsicht EBA sammelt jedes Jahr, wie viele Beschäftigte der Banken mehr als 1 Mio. € im Jahr verdienen, aufgeschlüsselt nach Land und Geschäftsbereich. Für Deutschland und das Investment Banking ergibt sich für 2024 folgendes Bild:
| Auswertung (2024) | Investment Banking Deutschland | Investment Banking EU |
|---|---|---|
| Beschäftigte mit über 1 Mio. € Jahresvergütung | 139 | 904 |
| durchschnittliche Gesamtvergütung dieser Gruppe | 1.693.305 € | 1.757.914 € |
| Verhältnis variabel zu fix | 1,28 zu 1 | 1,23 zu 1 |
| Anteil aufgeschobener variabler Vergütung | 55 % | 59 % |
| davon Frauen | 10 | 77 |
High Earner in Kreditinstituten mit Gesamtvergütung ab 1 Mio. € im Geschäftsjahr 2024, Geschäftsbereich Investment Banking, Deutschland und EU-27/EWR. Quelle: EBA High Earners Dashboard, Daten 2024, Anhänge II und IV (veröffentlicht April 2026).
Von den 553 Beschäftigten deutscher Banken, die 2024 die Millionengrenze überschritten, arbeiteten 139 im Investment Banking, mehr als in jedem anderen operativen Bereich. Nur die Vorstände lagen mit 280 Personen darüber. Die Deutsche Bank allein meldete für 2025 in ihrem Vergütungsbericht 658 Risikoträger mit Gesamtbezügen von mindestens 1 Mio. €, davon 339 in der Stufe zwischen 1 und 1,5 Mio. €, wobei die Zahl das ganze Haus und alle Standorte umfasst. Über die Vergütung einzelner Karrierestufen machen die Banken in ihren Ausschreibungen dagegen keine Angaben, das Wort Bonus taucht dort so gut wie nie auf. Drei Dinge lassen sich aus den amtlichen Zahlen dennoch festhalten: Das Grundgehalt liegt vom Analyst an oberhalb der Tariftabellen, der variable Anteil macht im Investment Banking mehr aus als das Fixgehalt, und die Zahl der Millionenverdiener zeigt, wohin die Leiter am oberen Ende führt.
Fazit
Der Investment Banker ist ein Beruf ohne Ausbildungsordnung, aber mit klarer Eintrittskarte: Studium, Praktika, Englisch und der Nachweis, dass man ein Finanzmodell unter Zeitdruck fehlerfrei baut. Wer den Einstieg als Analyst schafft, arbeitet an den größten Kapitalentscheidungen deutscher Unternehmen, in kleinen Teams und mit einer Vergütung, die die Tariftabellen der Branche hinter sich lässt. Der Preis dafür sind Arbeitstage, die der Markt bestimmt. Wir hoffen, dass wir Ihnen damit weiterhelfen konnten!
Häufige Fragen zum Investment Banker
Ergänzend beantworten wir vier Fragen, die zu diesem Beruf besonders häufig gestellt werden.
Brauche ich einen Master, um Investment Banker zu werden?
Vorgeschrieben ist er nicht, üblich schon. Nahezu jede Ausschreibung verlangt ein abgeschlossenes Studium, viele nennen ausdrücklich den Master oder einen gleichwertigen Abschluss. Graduate Programme der Großbanken stehen grundsätzlich auch Bachelor-Absolventen offen. Entscheidender als der Titel sind einschlägige Praktika und nachweisbare Bewertungs- und Modellierungskenntnisse.
Muss ich in Frankfurt arbeiten?
Frankfurt ist der Schwerpunkt, aber nicht der einzige Standort. Die Corporate-Finance-Einheit der DZ BANK sitzt in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart, Privatbanken wie Berenberg oder Donner & Reuschel in Hamburg, die BayernLB in München mit Stellen bis nach Mailand. Wer Kapitalmarkt- und Konsortialgeschäft sucht, findet es auch bei Landesbanken und großen Sparkassen außerhalb des Bankenviertels.
Wie lange dauert ein Praktikum im Investment Banking?
Bei der DZ BANK werden rund drei Monate in Vollzeit empfohlen, Beginn ist jeweils zum Ersten eines Monats, die Vergütung liegt im Bachelor bei 1.000 € im Monat und im Master beim Mindestlohn. Andere Häuser schreiben ihre Praktika quartalsweise und teils mehr als ein Jahr im Voraus aus, die Bewerbungsfristen sollten Sie deshalb früh prüfen.
Worin unterscheidet sich der Investment Banker vom Firmenkundenberater?
Der Firmenkundenberater betreut Unternehmen dauerhaft in ihrem laufenden Bankgeschäft, von Konto und Zahlungsverkehr bis zum Investitionskredit. Der Investment Banker kommt projektbezogen hinzu, wenn eine Übernahme, ein Börsengang oder eine große Finanzierung ansteht, und verlässt das Mandat nach dem Abschluss wieder. In deutschen Universalbanken arbeiten beide im Corporate & Investment Banking eng zusammen, und der Wechsel vom Firmenkundengeschäft in die Finanzierungsteams ist ein üblicher Karriereweg.






